Etwas aus meinem Inneren

22:26 Esra Inceöz 2 Comments



Ich war im Bus, hatte Kopförer in meinen Ohren und hatte tausend Gespräche in meinem Kopf geführt, wie es nach meiner Ankunft denn ablaufen wird. Ich saß im Bus auf dem Weg nach Goslar in meine Heimatstadt. Ich kam um mein Vater zu sehen und vorallem aber mein Opa, der im Krankenhaus liegt. Ich hatte deshalb diese Gespräche im Kopf, weil ich nicht wusste, wie ich reagieren soll. Die meisten habe ich jahrelang nicht gesehen, wie sollte ich dort reagieren? Sollte ich überhaupt kommen? Wieso habe ich das bisher nicht gemacht? Wieso hast du kein Kontakt beibehalten?

Der Grund wieso ich das jetzt alles schreibe? Ich weiß es nicht. Aber ich habe mich an dem Tag so gefühlt, wie nie zuvor. Leider kann ich nicht sagen, dass der Zusammenhalt unserer Familie sprich Onkel, Tante etc. leider wirklich existiert. Traurig aber wahr. Aber genau das impliziert sich auch auf die Beziehung zwischen mir und meinem Opa.

Ich kann euch das Gefühl nicht erklären, ein Mensch, dessen Bild du immer vor deinen Augen hast, wenn du sie schließt, weil du das Gesicht auswendig kennst. Jede Gestik und Mimik. Aber denke ich zurück, so habe ich keinerlei Erinnerung mit meinem Opa außer in meiner Kindheit, die so weit zurück liegt, dass es für mich wie ein Schein vorkommt. Kennt ihr das, wenn ihr eine Phase in eurem Leben habt und jahre später zurückschaut und euch denkt "so eine Zeit habe ich mal durchgemacht" und alles liegt so lange zurück, als wäre es nie passiert. Ich kann mich an kein langes Gespräch erinnern oder ein gemeinsames essen, in dem ich und mein Opa an einem Tisch gemeinsam speisten. Schade, Opa, du warst da aber doch so fern. 

Ich war da nun, stand an seinem Krankenbett von Opa. Er atmete schwer ein und aus. Ich hatte in Klos im Hals aber ich konnte nicht ganz weinen. Ein Kampf zwischen Vertrautheit und keiner Erinnerung. Ich schaute rüber zu meinem Vater und verzeichnete einen traurigen Anblick, wie mein Vater in das Gesicht meines Opas blickte und alle Tage in dem mein Opa in seinem Leben vorkam, revue passieren ließ. Alle Weisheiten, die mein Opa in seinem ganzen Lebensweg mitgab, all diese Dinge gingen meinem Vater durch den Kopf. Und andererseits stellte er sich in die Stelle meines Opas. 

Meine Tante war auch im Krankenhaus. Ich hatte eine gute Erinnerung zu ihr, anfangs wusste ich nicht wie ich reagieren soll, denn es ist jahreher, dass ich sie gesehen hatte. Meine Cousinen sind wunderschöne Mädels geworden. Wisst ihr, all diese Dinge schreibe ich auch vielleicht, um eines Tages in mein Blog, welches auch als Tagebuch irgendwie dient, reinzuschauen und mich daran zu erinnern. Damit ich in diesem Leben einfach weiß, wie meine Familie war, damit ich vieles besser machen kann. Ich schließe mein Opa in meinem Gebet mit ein, damit es ihm besser geht. Es tut mir leid Opa, dass ich nicht für dich da war. Es tut mir leid, dass ich reglos da stand und nichts wirklich machen konnte.

Der Spruch "Aus den Augen aus dem Sinn" macht manchmal wirklich etwas großes aus! Ich lebe mit meiner Mama in Berlin, studiere, arbeite und habe alle Freunde hier. Andererseits leben meine Schwestern  250 km weiter von mir entfernt, wir sehen uns im Jahr so viel, dass kannst du am Finger abzählen. Jeder hat seinen geregelten Alltagsablauf. Das ist traurig. Entfernung ist immer traurig! Denn du bekommst nicht mehr mit, wenn deine Schwester ein neues schönes Oberteil gekauft hat, dass du dann zwei Tage später heimlich anziehst, und sie dich danach fertig macht! Diese kleinen Dinge bleiben plötzlich gänzlich aus. Was dir bleibt ist eine platonische Whatsapp Nachricht auf dem Display über Dinge, die sie für wichtig empfindet zum erzählen. Aber ich empfinde vielleicht andere Dinge für wichtig und somit bleibt immer eine kleine leere. Denn du bist nicht immer mit ihr. 

Ich hoffe ihr konntet einen kleinen Einblick in meine Seele bekommen. Es ist einfach ein Berg gemischter Gefühle komplette Impulsie.
Aber seid froh darüber, wenn ihr eine Familie habt, die Zusammenhält oder gemeinsam Dinge unternimmt. Das ist glaube ich das traurigste an meinem Leben. Aber wie gesagt, was ja nicht ist, kann ja noch werden. :)

Kommentare:

  1. Wieder sehr gut geschrieben. Hatte echt Tränen in den Augen.
    Danke für den emotionalen aber auch nachdenklichen Post.
    Mach bitte weiter so.
    Lg

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  2. du schreibst einfach unfassbar toll und vorallem ehrlich... ich habe alle deine Posts durchgelesen :) Allahim seni cok mutlu etsin o güzel yüzün hep gülsün insallah :)
    lg Dilan ♡

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