Fastenzeit: es geht wieder los!

09:02 Esra Inceöz 1 Comments



Diese Woche beginnt Ramadan. Ein Monat in dem wir alle irgendwie ein wenig Rücksicht nehmen. Kennt ihr das, sobald ihr den Gebetsruf aus den Minaretten hört, überkommt euch ein Gefühl von Zugehörigkeit und innere Zufriedenheit? Allein die Wörter Minarette, Gebetsruf, Verse und Suren sind so poetisch im Klang, dass ich nichts anderes kann als mich zu inspirieren.
Wie ihr ja wisst, beobachte ich gerne Menschen. Und in den letzten Malen ist mir eins bewusst geworden: Ich möchte später nicht einsam sein. Einsamkeit ist ein Wort, den sehr viele keine Beachtung schenken aber in der Realität, sind viele davon betroffen. Ich bin mir sicher, wenn ihr durch die Straßen läuft und genauer schaut, könnt ihr sie alle sehen.
Einmal hatte ich mich mit einer alten Dame unterhalten, sie hörte nicht mehr auf zu reden und ich wusste schon gar nicht mehr was ich antworten sollte aber das brauchte ich auch nicht, denn die Dame fing immer erneut einen neuen Satz an. Als ich gehen wollte sagte sie "Danke das du mit mir geredet hast", dabei habe ich kaum was gesagt.
Immer dann, wenn ich in Istanbul bin, gehe ich mit Onur ins Altersheim. Da bringen wir den Omis immer einen riesen Blumenstrauß und etwas zu essen. Sie freuen sich unglaublich. Einmal sogar meinte eine Omi, dass sie manchmal einfach nur schlafen will, damit sie ihren Mann in den Träumen wieder sehen kann, weil sie ihn so sehr vermisst hat. Onur und ich waren emotional total davon betroffen und uns kamen die Tränen.
Ihr könnt euch das jetzt alle vielleicht nicht vorstellen aber ich gebe mal ein simples Beispiel. Meine Mama. Sie hat sich scheiden lassen, hat nicht mehr geheiratet und baute ihr ganzen Leben auf uns Kinder auf. Aber jetzt, wo wir Kinder das Haus Stück für Stück verlassen, merkt sie die Stille. Sie kommt nach Hause und keiner ist da. Sie ist alleine.
Was ich damit sagen wollte ist: Die Woche beginnt Ramadan. Lass uns diesmal nicht nur auf das Fasten konzentrieren, sondern auch darum worum es eigentlich geht ->  Mitgefühl.
Lass uns dieses Jahr wirklich etwas gutes tun. Einen Besuch im Altersheim, Obdachlosenheim, Kinderheim. Lass uns etwas spenden und den wundervollen Menschen zeigen, dass sie nicht einsam sind. Das Fasten bringt dir auch nichts, wenn du hinterher in einem vollgedeckten Tisch sitzt ohne an die Menschen zu gedenken, die sich grade mal so Brot kaufen können. Und solche Menschen gibt es!
Ich freue mich auch dieses Jahr auf den Monat Ramadan. Denn das schönste am Islam ist nicht nur die poetische Klangweise der Wörter, sondern die Poesie ist auch darin. Alles ergibt einen Sinn.
Für die Leser, die keine Muslime sind, können sich hoffentlich auch aus dem Post etwas über Mitgefühl und Einsamkeit entnehmen. :)

1 Kommentar:

  1. wunderschön geschrieben, du bist eine inspiration :-*

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