Quotentürke

14:43 Esra Inceöz 0 Comments



Ich sehe in ihre Gesichter. Dunkle Haare, Solarium Booster bis die Haut schon eine etwas ungesunde kruste gebildet hat und einen auffälligen roten Lippenstift, der eigentlich ala Marilyn Monroe ausstrahlen soll. Der Ausschnitt sitzt tief der Apell an die anderen: Ich wurde verletzt.

Ein Glas Vodka in der Hand, die Nacht ist heute jung. Wir feiern, sind gut drauf, die Mädels sind mit dabei. Weitere Gruppen betreten die Disco. Die Bar.- Whatever. 

Whooops. Die High Heels tun auch schon weh und der Intus in mir hält mich schon schwach auf den Beinen. Trotzdem unsexy diese auszuziehen. Ich wirke lieber elegant in meinem engen und kurzen Röhrenkleid. Der untere Augenrand total mit hellem Concealer überschattet. Heute bin ich sexy. Heute vergesse ich jeglichen Schmerz und tue das worauf ich am meisten Lust hab.

Männer kommen in den Club. Einer sieht besser aus als der andere. Zumindest besser als der Typ, der mich verletzt hat. Und er würde vor Wut kochen, wenn er wüsste das ich heute hier und jetzt auf diese Weise feiern gehe. Vermutlich würde er herkommen und mich hier raus holen. Aber wie gesagt, heute vergesse ich alles. Ich möchte neue Leute kennenlernen. Noch ein schickes Foto auf Facebook hochladen, damit die Nachricht auch ja bei ihm ankommt. Das Kleid rutscht über die Waden, weil mehrere Männer nun hierher schauen. Ich habe ja nichts mehr zu verlieren.. 

  Shut the fuck up.

Das oben beschriebene Beispiel habe ich inspiriert durch einige Damen geschrieben, die ich wirklich in einer türkischen Bar gesehen habe. Zuviel Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom im Blut oder sowat. Das ist natürlich kein Idealbild von Türkinnen aberrrrrr der Grundkern warum so vieles gemacht wird. 

Total traurig eigentlich. Menschen die verletzt worden sind sich so abzugeben oder sich so zu verlieren. Ich meine, ich war auch oft genug im Nightlife aber ich habe nie ein Schluck Alkohol getrunken und habe immer Bedacht gefeiert.
 
Aus genau diesem Grund, bin ich niemals in diese türkische Szene eingetaucht. Ich war etwas dazwischen. Etwas worauf ich nie wirklich stolz sein konnte oder etwas woraus ich nie aus manchen Handlungen schlau wurde. Leider ist es in unserer türkischen Gesellschaft so, dass wir sehr viel auf Ehrlichkeit legen, allerdings die größten Lügner sind. So wird zumindest kein Mädchen offen und ehrlich dem Vater sagen, dass sie sich verliebt hat. Oder das sie einen Freund hat. Dies wird so lange verschwiegen, bis es dann doch zu einer Heirat kommt. Natürlich sind das Dinge die von Generation zu Generation weitergeleitet werden. Aber traurig an der Tatsache ist nur, dass die Eltern bzw. der Vater, niemals sein Kind wie er leibt und lebt kennenlernen wird. Es wird immer dieser Scheintrug vorgespielt. Niemals wird offenkundig über Dinge geredet, die für manche Familien und Nationalitäten für etwas ganz "normales" angesehen wird.

Ich, ich wurde auch so aufgezogen. Aber ich habe mir mein eigenes Bild gemacht. So hab ich grundsätzlich vermieden mit Menschen aus der reinen türkischen Community zutun zu haben. Meine Freunde haben nie etwas damit zutun. Ich war die jenige, die auf dem Podest ganz laut "First it's her neck, yeah, then her back, yeah, I'm a freak, I get into all that" mitgesungen hat. 
 Ich kann bis heute kaum ein türkischen Song von Anfang bis Ende singen abgesehen von Sinem - Yagmur. Weil dieses Lied mich einfach total berührt  und textlich sehr gut zu mir passt. Und ich hab auch diese Hochzeiten gehasst, die immer den selben Ablauf haben. Oder die türkischen Mädchen die nichts anderes im Kopf hatten, als in der Türkenszene zu sein. Ich war stattdessen einfach mal in der Rapszene beschäftigt. Wenn mir jemand was von Ebru Gündes erzählt hat, war ich die Jenige, die ein Vortrag über Kool Savas' Pornorapperkarriere erzählt hat (was ja lustigerweise auch ein türkischer Rapper ist aber hey, welches Mädchen hat sowas denn schon gehört gehabt so wirklich?). Jegliche vulgären Rapsongs kann ich eins nach dem anderen runter rappen. Vielleicht keine besondere Kunst um Stolz drauf zu sein aaaabbbbeeeerrrrrr - ich hab mich von der Masse abgehoben und das war die Hauptsache (vorallem bei uns im Dorf (Goslar) war das ein Highlight). Ich durfte schon in meiner frühen Jugend sehr viel Freiheit genießen, was mir ein Glück auch das schöne, abenteuerhafte Leben schenkte. Ich bin alleine duch Istanbul gezogen, konnte unabhängig und wagemütig durch die Straßen ziehen ohne jemanden auch nur eine rechenschaft abzugeben. Und genau DAS IST FREIHEIT!! (Dazu aber mehr in einem anderen Post).

Anders sein, das war mir schon damals bewusst als ich mich dazu entschlossen hatte mit der Musik anzufangen. Rapsongs auf Gesang zu Covern. Das war ICH!

Das ist auch der Grund warum ich die verschiedensten Nationalitäten von Freunden habe. Das ist unglaublich. Es ist alles dabei außer etwas türkisches (und wenn das ist sie doch so untürkisch wie ich). Bitte an alle die das jetzt lesen, NICHT FALSCH VERSTEHEN!

Ich bin weder gegen Türken - was ja auch ein wenig paradox wäre - noch habe ich Menschen ein klischeehaftes Bild vermittelt. Es ging nur um den Sarkasmus und vorallem über meine Überlegung warum ich so bin wie ich bin. Whatever.

Ich bedanke mich recht herzlich bei euch.

Eure lieeeeeebe,

S-Ra

Ps: Hammer wieviele Menschen doch gerne mein Blog lesen. I love u all. 


 

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